Frischer Wind auf dem Blog! Denn heute musst du nicht nur meine Gedanken lesen, sondern ich habe einen Gastblogartikel von Katharina Poppinger (Psychologists For Future) für dich.
In jeder Geschichte gibt es einen Helden oder eine Heldin. Eine Person, die vielleicht zwischendurch fast verzagt, schließlich aber doch Hoffnung und Mut (wieder) findet. Genau das wünsche ich mir von uns Menschen in der Klimakrise. Wir sind das Problem und können gleichzeitig auch die Lösung, die Held*innen unserer eigenen Geschichte(n), sein.
Versteht mich nicht falsch, ich möchte die Klimakrise hier auf keinen Fall individualisieren. Wir brauchen unbedingt Lösungen auf gesellschaftlicher und politischer Ebene. Trotzdem sitzen überall Menschen. Menschen, die Entscheidungen fällen. Menschen, die zu Held*innen werden können.
Für manche von uns ist es schwieriger, ins Handeln zu kommen. Und manche von uns treffen die Klimakrise und ihre Auswirkungen härter als andere. Das ist unfair, aber Tatsache. Es gibt viele Menschen, die ich hier als Beispiel auf die Bühne bitten könnte. In diesem Blogbeitrag sind es Kinder und Jugendliche.
Kinder und Jugendliche sind unter anderem durch sensible Phasen in ihrer Entwicklung stärker gefährdet. UNICEF sieht die Klimakrise als Kinderrechtskrise und hat ein spannendes Tool entwickelt “The Children’s Climate Risk Index (CCRI)”. Hier kannst du sehen, wo auf der Welt Kinder und Jugendliche am meisten gefährdet sind. Und das Erschreckende dabei: Fast jedes Kind weltweit (über 99%) ist mindestens einer größeren Klima- und Umweltgefahr ausgesetzt.
Studien zeigen, dass sich Kinder und Jugendliche zunehmend Sorgen um ihre Zukunft und die Klimakrise machen und sich zu wenig unterstützt fühlen. Wenn du dazu mehr wissen willst, lies gerne mal in die fast schon berühmte “Hickman”-Studie oder die Studie von SOS Kinderdorf rein. Besonders sozioökonomisch benachteiligte Kinder und Jugendliche – also aus Familien mit weniger Geld, Bildung & Ressourcen – sind bedroht. Laut Caritas sind alleine in Österreich 18% – also 295.000 Kinder – von Armut betroffen. Dabei sind aber noch nicht die Menschen inkludiert, die armuts- oder ausgrenzungsgefährdet sind. Wo bleiben hier unsere Held*innen? Wie können besonders diese jungen Menschen auf ihrer Held*innenreise unterstützt werden?
Ich wünschte, ich hätte darauf die ultimative Antwort. Habe ich leider (noch) nicht und es gibt sie wahrscheinlich auch nicht direkt. Aber die Hoffnung bleibt. In der psychologischen Forschung lautet ein Zauberwort (Klima-)Resilienz. Dabei geht es um Bewältigungsstrategien, also wie wir mit einer Krise gesund umgehen können. Resilienzfördernde Faktoren sind zum Beispiel soziale Verbundenheit sowie individuelle und kollektive Selbstwirksamkeit.
Und… Überraschung: Auch alternative, positive und kreative Zukunftsnarrative – also Geschichten – können Hoffnung und Resilienz fördern. Vielleicht ist dir schon mal aufgefallen, dass dein Gehirn sowieso Geschichten liebt. Deshalb frag dich mal: Welche Geschichten erzählst du, wenn es um die Klimakrise geht? Wer hört, liest und versteht diese Geschichten? Wer ist der Held oder die Heldin? Und: Wo ist dein Platz in deiner Geschichte?
Und zum Ende: Die Klimakrise ist eine echte existentielle Bedrohung. Es ist okay und ganz normal, manchmal überfordert zu sein oder Angst zu haben. Wo kannst du Hilfe holen?
- E-Mail Adresse für kostenlose Erst-Beratungen bei Psychologists For Future: beratung@psychologistsforfuture.org
Hier gibt es noch mehr Infos dazu. - Ö3-Kummernummer 116 123
- 147 Rat auf Draht
- TelefonSeelsorge Österreich – Notruf 142
- BÖP-Helpline 01 504 8000; helpline@psychologiehilft.at
Wenn dich deine Gefühle überfordern, ist es stark, um Hilfe zu bitten – eine Therapie kann dabei unterstützen.
Wenn du mehr über Klimakrise, Psychologie oder diesen Blogartikel wissen willst oder Fragen/Anmerkungen hast, kontaktiere mich gerne unter kpoppinger97@gmail.com.
Hier ein paar weiterführende Quellen, für besonders Interessierte:
- Cuartas, J., McCoy, D. C., Torres, I., Burghardt, L., Shonkoff, J. P., & Yoshikawa, H. (2024). The developmental consequences of early exposure to climate change-related risks. Child Development Perspectives, 18, 145–154. https://doi.org/10.1111/cdep.12503
- Gebhardt, N., Van Bronswijk, K., Bunz, M., Müller, T., Niessen, P., & Nikendei, C. (2023). Scoping Review zu Klimawandel und psychischer Gesundheit in Deutschland – Direkte und indirekte Auswirkungen, vulnerable Gruppen, Resilienzfaktoren. Journal of Health Monitoring, 8(S4), 132–145. https://edoc.rki.de/handle/176904/11267
- Jackson, J.E., Rawson, R., Colman, R., Brooks-Ucheaga, M. & Kotera, Y. (2024). Understanding how children are coping with climate change anxiety by exploring coping strategies and supportive interventions. International Journal of Population Studies, 10(2):71-77. https://doi.org/10.36922/ijps.0850
- Ojala, M. (2023). How do children, adolescents, and young adults relate to climate change? Implications for developmental psychology. European Journal of Developmental Psychology, 20(6), 929–943. https://doi.org/10.1080/17405629.2022.2108396
- Peter, F., & Asbrand, J. (2024). Unterstützung junger Menschen in gesellschaftlichen Krisenlagen. PsychArchives. https://doi.org/10.23668/psycharchives.15520
Über die Autorin: Katharina Poppinger
Hi, ich bin Kathi! Ich studiere Psychologie, arbeite bei CliMates Austria, bin bei den Psychologists For Future, dem Österreichischen Roten Kreuz und Jugendrotkreuz, SustainLabel und der Arbeitsgruppe Inklusive Klimabildung aktiv. Mein Ziel ist es, Menschen für eine nachhaltige Entwicklung unserer Welt zu inspirieren. Vernetzen wir uns gerne über LinkedIn!
