Du willst nachhaltig investieren, aber fühlst dich erschlagen von Fachbegriffen, Labels und Unsicherheit? Gemeinsam mit unserem Geschäftsführer Armand Colard (ESG Plus | CLEANVEST) habe ich dir aus unserem Gespräch anlässlich unseres 10 Jahres Jubiläums zusammengefasst, worauf es wirklich ankommt und warum Mut zur Lücke wichtiger ist als der perfekte nachhaltige Fonds.
Schritt 1: Definiere deine persönlichen No-Gos
Schritt 2: Mut zur Lücke – Starte unperfekt
Schritt 3: Zwei Wege zum nachhaltigen Portfolio
Schritt 4: Nutze „Labels“ als Orientierungshilfe
Was du jedenfalls NICHT tun solltest
Die Sache mit den Frauen*
Fazit: Anfangen ist besser als auf „perfekt“ zu warten
Die gute Nachricht zuerst: Du bist nicht allein
Wenn du dich vom „grünen Finanzdschungel“ überfordert fühlst? Willkommen im Club. Selbst Finanzprofis kämpfen manchmal mit der Komplexität.
Ich merke in meinen Kennenlern-Gesprächen, Workshops & mehr durch Geld Kopf Bauch immer wieder: Menschen wollen zwar nachhaltig und ihren Werten entsprechend investieren, aber fühlen sich oft einfach überfordert. Das fällt mir nicht nur bei meiner Arbeit mit Geld Kopf Bauch auf, sondern auch wenn ich jemandem von CLEANVEST und unserer Mission den Kapitalmarkt transparenter zu machen, erzähle.
Armand Colard, CEO von ESG Plus & CLEANVEST, bestätigt mir: „Derzeit ist alles sehr verkopft. Die Regulatorik hat zwar viele wichtige Punkte eingebracht, aber es fehlt die Übersetzung für Privatpersonen.“
Die Lösung? Vielleicht einfach zurück zu den Basics. Und ein bisschen weniger Perfektionismus.
Schritt 1: Definiere deine persönlichen No-Gos
Vergiss Labels, Artikel-Nummern wir Artikel 8, 9 oder irgendwelche Prozentsätze. Fang einfach mal hier mit dieser Frage an:
Was will ich auf keinen Fall in meinem Portfolio haben?
„Das Wichtigste ist, dass man mal persönliche No-Gos definiert“, rät Armand. „Ob das jetzt fossilfrei, waffenfrei, kinderarbeitsfrei oder was auch immer ist – es sollten die Themen sein, die einem am wichtigsten sind.“
Typische No-Gos:
🚫 Fossile Energien (Öl, Gas, Kohle)
🚫 Waffen und Rüstung
🚫 Kinderarbeit
🚫 Atomenergie
🚫 Tabak
🚫 Menschenrechtsverletzungen
🚫 Diskriminierung (Gender, LGBTQIA+)
🚫 Umweltverschmutzung
Da habe ich jetzt gleich eine kleine Übung für dich:
Nimm dir 10 Minuten und schreibe 3-5 Themen auf, die für dich absolute „Red Flags“ sind. Das ist dein erster Kompass.
Wenn du ready bist, geht es weiter zu Schritt 2…
Schritt 2: Mut zur Lücke – Starte unperfekt
Die größte Hürde beim nachhaltigen Investieren? Paralyse durch Analyse.
Ich bin sowas von überzeugt, dass es wichtig ist, einmal loszulegen und zu starten. Lass dich nicht von diesem grünen Finanzdschungel wahnsinnig machen, sondern sag dir selbst: „Hey, ich fange mal an. Ich achte auf eine breite Risikostreuung, und dann darf Stück für Stück immer mehr Wissen dazukommen.“
Armand stimmt mir da zu: „Es gibt diesen berühmten Satz: Perfektion ist der Tod des Guten. Wenn man nicht anfängt und versucht, es zu perfekt zu machen, dann hat man am Ende gar nichts erreicht.“
Die Studienlage ist eindeutig:
Eine suboptimale Investmentstrategie, die aber durchgezogen wird, ist erfolgreicher als ständiges Hin und Her.
Warum?
- Weniger Transaktionskosten
- Kein Panikverkauf in Krisenzeiten
- Buy-and-Hold funktioniert langfristig besser
Oder wie Armand im Gespräch eine Börsenweisheit aus dem Ärmel schüttelte: „Viel hin und her macht Taschen leer.“
Schritt 3: Zwei Wege zum nachhaltigen Portfolio
Du hast zwei Optionen, abhängig von deinem Wissensstand, deiner Motivation und deinem Bedürfnis nach Unterstützung.
Weg 1: Mit Beratung loslegen
So gehst du vor:
- Definiere deine 3-5 No-Gos
- Vereinbare einen Termin mit einer/m Finanzberater*in (Achte hierfür im besten Fall auf Honorarberater*innen, die einen klaren Fokus auf Nachhaltigkeit legen)
- Kommuniziere klar: „Das sind meine absoluten No-Gos. Finde mir ein diversifiziertes Portfolio, das diese Kriterien erfüllt.“
„Viele Berater*innen nutzen mittlerweile ESG-Tools wie CLEANVEST PRO, um wertbasierte Portfolios zu erstellen“, erklärt Armand. „Die Aufklärungsarbeit ist zwar immer noch enorm, aber es gibt tolle Profis da draußen, die vor allem das Thema Nachhaltigkeit auch wirklich ernst nehmen.“
Tipp: Frag explizit, ob die/der Berater*in Erfahrung mit nachhaltigen Investments hat. Es gibt spezialisierte Expert*innen, die sich auf diesen Bereich fokussieren.
Weg 2: Selbst recherchieren (für die Motivierten & Kritischen unter euch)
Wenn du bereit bist zu lernen und es selbst in die Hand nehmen willst, dann kannst du so vorgehen:
- Sei dir über dein Risikoprofil bewusst & lerne was hinter einem Fonds oder ETF überhaupt steckt
- Gehe auf eine Plattform wie z.B. CLEANVEST.org (kostenlos), MyFairMoney oder Faire Fonds
- Setze deine Filter (z.B. „keine Kinderarbeit“, „fossil-frei“)
- Du bekommst eine Liste von 10-30 Fonds
- Recherchiere nun selbst die finanziellen Risiken (Diversifikation, Klumpenrisiko, Volatilität, etc.)
„CLEANVEST ist relativ einfach in der Handhabe. Es sind nur 10 Kriterien“, ist Armand überzeugt. „Gerade weil es so niederschwellig und selbsterklärend ist, kann das einfacher Weg sein, um herauszufinden, was im jeweiligen Finanzprodukt überhaupt steckt.“
Schritt 4: Nutze „Labels“ als Orientierungshilfe
Wenn du erstmal einen groben Überblick willst, helfen auch Nachhaltigkeits-Labels.
Die strengsten „Labels“ im DACH-Raum:
✅ Österreichisches Umweltzeichen (UZ 49)
✅ FNG-Siegel
✅ Artikel 9 (SFDR) – „Dunkelgrüne“ Fonds mit Impact-Ziel
„Wenn man diese Labels kombiniert, hat man eine gewisse Orientierungshilfe“, rät Armand im Gespräch. „Unsere regelmäßigen Untersuchungen gemeinsam mit der AK Oberösterreich ergeben immer wieder ein ähnliches Bild: Artikel 9 Fonds plus Umweltzeichen sind tendenziell sehr nachhaltig.“
Achtung: Artikel 8-Fonds sind breiter gefasst und können stark variieren. Hier lohnt sich jedenfalls ein genauerer Blick.
Was du jedenfalls NICHT tun solltest
❌ Ständig kaufen und verkaufen
„Buy and Hold ist langfristig erfolgreicher“, betont Armand. „Jedes Mal, wenn du in Panik verkaufst und dann wieder schnell kaufst, kosten dich Transaktionskosten Rendite.“
❌ Auf „perfekt nachhaltige“ Produkte warten
Ganz ehrlich, es gibt keinen perfekten nachhaltigen Fonds. Aber es gibt welche, die deinen Werten schon deutlich näherkommen, als die typischen Verdächtigen. Und das ist für den Anfang definitiv gut genug. Denk dran: Wissen darf dann nach und nach dazukommen.
❌ Nur auf Performance schauen
Nachhaltigkeit und Performance schließen sich nicht aus – im Gegenteil.
„Es gibt Studien, die belegen: Nachhaltige Investments performen langfristig genauso gut oder sogar eine Spur besser“, erklärt Armand. Es ist also nicht notwendig, sich mit dem alten Glaubenssatz aufzuhalten, dass man mit nachhaltigen Investments auf Rendite verzichten muss.
Die Sache mit den Frauen*
Ein spannender Fakt, den Armand ebenso erwähnt, den ich natürlich zu 100% genauso unterschreiben würde: Frauen* investieren nicht nur nachhaltiger, sie investieren auch erfolgreicher.
„Wer sind die besseren Investor*innen? Frauen“, sagt er überzeugt. „Weil sie nicht so impulsiv investieren, sondern mit kühlerem Kopf. Das bringt langfristig mehr Performance.“
Tja, true! 😊
Die Herausforderung ist allerdings: Viele Frauen* investieren noch gar nicht, weil ihnen die Finanzbasics fehlen oder sie auch einfach Angst vor dem Thema haben.
Bei Einsteiger*innen kommt dann oft auch dazu, dass erst mal die Finanzbasics erklärt werden müssen, bevor es im Detail um die Nachhaltigkeit gehen kann.
Da geht es vorranging um Themen wie:
- Warum ist investieren überhaupt wichtig
- Was bedeutet Risikostreuung beim Investieren
- Wie kannst du vom Zinseszinseffekt profitieren und wie funktioniert er.
All das muss erstmal verstanden werden, damit wir dann tiefer beim Thema Nachhaltigkeit einsteigen können.
Meine Empfehlung daher:
Erst die Grundlagen, also die „Finanz-Basics“ verstehen (mit Geld Kopf Bauch helfe ich dir dabei) und dann darf man ruhig trotzdem von Anfang an, die eigenen Werte beim Investieren mitdenken.
Fazit: Anfangen ist besser als auf „perfekt“ zu warten
Was ich dir mitgeben möchte: „Mut zur Lücke“
Lass dich nicht wahnsinnig machen. Einfach mal starten: ein Wertpapierdepot eröffnen, das Risiko möglichst breit streuen (z.B. mit Welt-Portfolio starten) und Schritt für Schritt dazulernen.
Armand ergänzt: „Eine suboptimale Strategie, die durchgezogen wird, ist besser als die perfekte Strategie, die nie umgesetzt wird.“
Die wichtigste Erkenntnis: Du musst nicht alles wissen, um anzufangen. Aber du musst anfangen und losgehen, um zu lernen.
Wenn du dich für das ganze Gespräch von Armand & mir interessiert, dann wirf hier einen Blick auf das Interview.
ESG Plus ist ein österreichisches Sozialunternehmen, das seit 2015 Nachhaltigkeitsanalysen für Finanzprodukte anbietet. Mit der kostenlosen Plattform CLEANVEST.org und dem Profi-Tool CLEANVEST PRO bedient das Unternehmen sowohl Privatanleger*innen als auch Finanzberater*innen und institutionelle Investor*innen. 2025 wurden über 17,6 Millionen Unternehmenspositionen in 40.000 Anlageprodukten analysiert.
Madeleine Serlath verbindet mit ihrer Plattform Geld Kopf Bauch die Themen Geld, Nachhaltigkeit & Werte mit nachhaltigen Investmentthemen. Seit drei Jahren ist sie Teil des ESG Plus-Teams und baut Brücken zwischen der Finanzwelt und Menschen, die verstehen wollen was ihr Geld mit Nachhaltigkeit zu tun hat.
